ASS VIVENDI - Kochkurs für Profis - Italienisch Kochen
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SÜSSWAREN

In Italien werden Süßwaren vielleicht in höherem Maße als in anderen Ländern mit Momenten des Glücks und der Freude verbunden. Traditionell werden sie zu einem bestimmten Zeitpunkt bei Festlichkeiten serviert, auch um diesen Moment hervorzuheben. Dabei wird der Appetit auf Süßes von der reinen Gaumenfreude in den Hintergrund gedrängt.

Süßwaren gehen auf die gleiche geschichtliche Entwicklung wie Brot zurück. Brot wurde von vielen Völkern hergestellt und
hat seinen Ursprung in den Anfängen der Zivilisation.

Es bedurfte keiner großen Phantasie, um zum Mehl, zur Hefe und zum Wasser weitere Zutaten hinzuzugeben, die die Erde
und die Tierzucht hervorbrachten: Eier, Butter, Honig, Rosinen, Mandeln, Haselnüsse, Walnüsse, Pistazien und später auch Zucker, Kakao, frisches Obst, kandierte Früchte und Aromen.

Ebenso wie die italienische Küche insgesamt haben auch die italienischen Süßwaren keine einheitliche Tradition. Vielmehr
gehen diese auf eine Reihe von regionalen oder örtlichen Traditionen zurück, die wiederum von der jeweiligen Verfügbarkeit bestimmter Zutaten in den einzelnen Gebieten geprägt sind. Die Beigabe von bestimmten Zutaten wurde darüber hinaus im Laufe der Zeit durch ein erweitertes Augebot auf den italienischen Märkten bereichert. In diesem Zusammenhang sei nur auf die Bedeutung des Kakaos und der Vanille hingewiesen. Daß auf Sizilien und in Apulien die reichlich und in exzellenter Qualität vorhandenen Mandeln als Zutat für Süßwaren sehr gerne verwendet werden, leuchtet genauso ein wie der Rückgriff auf die hochwertigen Haselnüsse der Langhe im Piemont und die reichliche Verwendung von Butter, Milch, Eiern und Zucker im Gebiet um Mailand und Verona.

Italien verfügt über einen wirklich großen Schatz an Traditionen, nicht nur, was die Kunst der Herstellung von Süßwaren
betrifft, sondern auch hinsichtlich der Anlässe, zu denen sie gereicht werden.

Ein ausländischer Beobachter stellte einmal fest, daß man in Italien alltags durchaus auf die Süßspeise als „krönenden Abschluß" einer Mahlzeit verzichtet, dies aber ungern bei Festmahlen anläßlich religiöser bzw. familiärer Feiertage oder aber
bei Feiern im Freundeskreis tut.

In jüngster Zeit naschen die Italiener offensichtlich lieber, zumindest weist darauf der gestiegene Süßwarenkonsum hin. Regionale Spezialitäten sind mittlerweile im ganzen Land erhältlich und Süßigkeiten, die bisher nur zu einem bestimmten Anlaß gegessen wurden, werden über das ganze Jahr hinweg konsumiert.

Eine weitere Tatsache, die hier nicht unerwähnt bleiben sollte, ist, daß die italienischen Frauen der Zubereitung von Süßwaren nicht mehr soviel Zeit und Mühe widmen. Immer häufiger kaufen die Italienerinnen die Süßwaren bei ihrem Konditor oder greifen auf industriell gefertigte Waren zurück, die, wenn sie von einem guten Hersteller sind, auch hohen Ansprüchen genügen können.

Zu den bekanntesten Desserts in Italien gehören die „Zabaione al Marsala", die ihren Ursprung in Turin haben soll (wobei der Marsala aus Sizilien kommt), das in Venedig erfundene „Tiramisü", die sizilianische „Cassata", die „Pastiera" aus Neapel, der „Zuccotto" aus der Toskana, die „Torta della Nonna" (Großmutters Torte) aus Bologna, die „Torta di Chianciano" aus der Toskana und die „Zuppa inglese".

Ein Weihnachtsfest ohne Panettone aus Mailand oder Pandoro aus Verona ist in Italien undenkbar, wobei beide Produkte mittlerweile in ganz Italien hergestellt werden. Das typische Ostergebäck ist wiederum die „Colomba" (Ostertaube).

Wer sich für die italienischen Sitten und Gebräuche interessiert und weiß, daß die Italiener ihre Gäste auch nach dem Essen
gern noch bewirten, sie gern noch auf einen Kaffee einladen, oder einfach nur beim gemütlichen Zusammensein mit Süßwaren verwöhnen, sollte sich darüber informieren, welches Gebäck oder welche Schokoladenwaren zu welcher Gelegenheit gereicht werden.

Im folgenden werden die italienischen Süßwaren, die es in der Regel im Handel zu kaufen gibt, kurz beschrieben. Diese Produkte können in jedem Fall den italienischen Stil einer Mahlzeit unterstreichen und werden von den Gästen immer honoriert und gern gegessen.

Panettone

Hierbei handelt es sich um ein sehr voluminöses, zylindrisches Bäckereiprodukt mit einem kuppelförmigen oberen Teil.
Der Teig des Panettone ist sehr flockig und luftig, was durch zweimaliges Gehenlassen des Teigs mit natürlicher Hefe
zustande kommt. Panettone enthält: Weizenmehl, Butter, Eier, Zucker, Rosinen, kandierte Zitrusfrüchte, Salz und natürliche Aromen. Er behält seine lockere Konsistenz und sein Aroma verhältnismäßig lange. Neben dem klassischen Produkt werden heute noch eine Reihe von speziellen Panettoni angeboten, so z. B. mit Mandelglasur überzogen oder aber mit Zabaione, Nußcreme oder Likör gefüllt. Die gängigsten, im Handel befindlichen Größen sind 1 kg oder 0,75 kg Panettoni.

Pandoro

Der Pandoro ist ein sehr einfaches Gebäck, voluminös wie der Panettone, das man an der charakteristischen Form erkennt:
das Unterteil ist rund und die vertikale Oberfläche wird von tiefen Einbuchtungen, ähnlich wie ein Napfkuchen, durchzogen.
Die Zutaten sind: Mehl, Zucker, Butter, Eier. Hinzugefügt wird noch Kakaobutter, die dem Pandoro sein typisches
Aroma gibt. Im Unterschied zum Panettone enthält der Pandoro keinerlei Früchte und wird lediglich mit Puderzucker
von außen bestäubt.

In der Packung des Pandoro befindet sich zudem ein Tütchen mit Vanille-Puderzucker, mit dem der Kuchen vor dem
Verzehr frisch bestäubt wird. In der Regel wird Pandoro in 1 kg oder 0,75 kg Packungen verkauft.

Colomba (Ostertaube)

Die Colomba wird aus Hefeteig mit natürlicher Hefe hergestellt und hat die Form einer Taube. Die Zutaten sind: Mehl,
Butter, Eier und kandierte Orangenschalen. Die Colomba ist mit einer Mandelglasur überzogen und großzügig mit ganzen Mandeln und Hagelzucker dekoriert. Sie wird in 1 kg und 0,75 kg Packungen in den Handel gebracht.

Gebäckmischungen

Eine Glasschale mit einer original italienischen Gebäckmischung ist immer etwas besonderes. Hierein gehören die „Amaretti" (Mandelmakronen) aus der Lombardei, die eine rundliche Form haben und aus Mehl, Zucker, Eiweiß und Pfirsichkernen hergestellt werden, wobei letztere ihnen den typischen Geschmack verleihen. Auch das in den unterschiedlichsten Formen angebotene, süße Feingebäck aus Marzipan mit seinem köstlichen und intensiven Geschmack fehlt nie. Bestandteil der Mischungen können zudem noch eine ganze Reihe anderer „Süßigkeiten" sein, wie z.B. die „Canestrelh" aus Monferrato
an der Grenze zwischen dem Piemont und Ligurien. Canestrelli sind kleine Blätterteig- oder Marzipan-Kringel,
die reichlich mit Puderzucker bestreut sind. Beliebt sind auch die „Baci di dama" („Damenküsse"), die aus zwei mit einer Masse aus Haselnüssen oder Mandeln und Schokolade gefüllten, halbmondförmigen Blätterteigplättchen bestehen. Nicht zu vergessen die „Krumiri" („Streikbrecher"), ein Gebäck aus alter Tradition des Piemont, in der Form von gerändelten
Stäbchen, leicht gebogen und aus Mehl, Butter und Honig ohne Hefezusatz hergestellt. Die „Cantuccini" entstammen der toskanischen Tradition, genauer gesagt kommen sie aus der Stadt Prato. Sie werden hergestellt, indem eine Teigrolle
aus Mehl, Zucker, Eiern, Mandeln und Anisaroma in diagonale Scheiben geschnitten und im Ofen gebacken wird. Die „Savoiardi" schließlich sind von länglicher Form und werden ausschließlich aus Eiern, Zucker und Mehl hergestellt. Diese Art von Löffelbiskuits werden auch gern zur Herstellung von Süßspeisen verwendet. Diese Gebäckarten könnten beliebig durch weitere Sorten ergänzt werden.

Pralinenmischungen

Eine Schale mit original italienischen Pralinen ist aufgrund der schönen Verpackung und ihres köstlichen Geschmacks immer
ein Zeichen von Exklusivität und Raffinesse.

Hier dürfen nie die „Gianduiotti" fehlen, die aus einer köstlichen Masse aus Schokolade und Haselnüssen der
piemontesischen Hügel, den „Langhe" hergestellt werden, die auch für ihre großen Weine berühmt sind. Neben den
Gianduiotti können KirschAlkohol-Pralinen, die „Baci", Trüffel oder mit Creme gefüllte Pralinen Bestandteil einer italienischen Mischung sein.

Torrone

Torrone ist ein Produkt, das um 1600 nach Christus in der Stadt Cremona erstmals aus einer Mischung aus Honig, Mandeln und Eiweiß hergestellt wurde. Heute werden für Torrone auch Haselnüsse, Pistazien und Schokolade verwendet.
In den Handel kommt Torrone als Tafeln, die wesentlich länger und auch dicker als Schokoladetafeln sind. Torrone wird hauptsächlich zu Weihnachten gegessen. Zur Zeit sind die kleinen in Papier gewickelten Stückchen,
die sog. „Torroncini" sehr behebt und werden auch gern in Pralinenmischungen verwendet.

Süßwaren aus Siena

Süßes aus Siena blickt auf eine sehr lange toskanische Tradition zurück, die bis ins Mittelalter reicht. Es handelt sich hier um sehr exklusive und ausgewählte Produkte.

Die „Ricciarelli" sind ein weiches, rautenförmiges Gebäck, das aus Mandeln, Zucker und Honig hergestellt wird und mit Puderzucker oder mit Schokolade überzogen ist.

„Panforte" wiederum wurde in der Klosterküche von Montecellesi geboren und wird aus kandierten Früchten, Mandeln und Honig hergestellt. Es wird mit Puderzucker bestreut und ist mit einer hauchdünnen Schokoladeglasur überzogen.

Die Weine zu italienischen Süßwaren

Zu italienischen Süßwaren können nur italienische Weine gereicht werden. Trockene Weine sind nicht geeignet, weshalb man sein Augenmerk auf liebliche Weine und Sektsorten oder aber auf Likörweine richten sollte.

Bei Panettone, Pandoro und Colomba fällt die Wahl leicht. Hierzu paßt zweifellos der berühmteste süße Schaumwein Italiens, der Asti Spumante, der sich durch ein köstliches Bukett und einen süßen Muskatgeschmack auszeichnet. Wer einen weniger süßen Wein vorzieht, kann auf einen anderen berühmten italienischen Schaumwein, den halbtrockenen
Prosecco di Conegbano zurückgreifen.

Diese beiden Schaumweine passen auch zu anderen Süßspeisen sehr gut. Als Alternative zu ihnen gibt es noch eine
ganze Reihe weiterer italienischer Weine.

Zu Mandelgebäck oder -süßspeisen paßt kein Wein so hervorragend wie der berühmteste italienische Dessertwein, der Marsala.

Zu den Süßwaren aus Siena wiederum, und hier vor allem zu den „Cantuccini" paßt am besten der Vin Santo Toscano, ein süßer „Strohwein".

Neben diesen Weinen werden in Italien eine große Anzahl von wenig bekannten, nur in begrenzter Menge verfügbaren Dessertweinen hergestellt, die es durchaus verdienen, entdeckt zu werden. All diese Dessertweine können als Begleiter zu Süßspeisen empfohlen werden, vor allem, wenn man am Tisch mit der Geschichte der Ursprungsregion und der
Herstellung des jeweiligen Weines aufwarten kann.