ASS VIVENDI - Kochkurs für Profis - Italienisch Kochen
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Die Mittelmeerdiät

Umfangreiche Untersuchungen auf dem Gebiet der Medizin und im Bereich der Diätwissenschaften haben gezeigt, daß die Menschen in den Mittelmeerländern und so auch in Italien eine der höchsten Lebenserwartungen haben. Dies hängt offensichtlich mit den dortigen Ernährungsgewohnheiten zusammen, die deshalb auch als "Mittelmeerdiät" bezeichnet werden. Seit Jahrhunderten ernährt man sich hier von vegetarischer Kost: Getreide, Hülsenfrüchte, Obst, Gemüse, mit eingeschränktem Gebrauch von Lebensmitteln tierischen Ursprungs und zwar hauptsächlich Meerestieren, d.h. Fisch, und einem Fett wie Olivenöl, das in diesen Ländern in großer Menge zur Verfügung steht, da der Olivenbaum fast ausschließlich im Mittelmeerraum gedeiht.

Bei dieser Ernährungsweise überwiegen komplexe Glycine, wie z.B. die Aminosäure, zu denen ausreichende Mengen pflanzliche oder tierische Proteine und Fette kommen sowie Vitamine und Mineralsalze in der vom Organismus benötigten Menge.

Von Bedeutung ist auch die Tatsache, daß Pflanzenfasern in nicht unerheblicher Menge Teil der Mittelmeerdiät sind und sich sehr förderlich auf den Verdauungsapparat auswirken.

Diese Art der Ernährung, die auf den ersten Blick etwas einseitig und gehaltlos wirkt, entspricht den modernen Diätprogrammen vollkommen. Nach Meinung moderner Ernährungsberater setzen sich die einzelnen Nahrungskomponenten, prozentual in Kalorien ausgedrückt, wie folgt zusammen:

- 65 % Glycine - 25 % Lipide

- 10 % Proteine.

Dementsprechend benötigt man bei einer Tagesration von 2.400 kcal:

- 400 g Glycine - 65 g Lipide

- 65 g Proteine, wobei davon mindestens ein Drittel tierischen Ursprungs sein sollte.

Daraus wird ersichtlich, daß die Neigung der Italiener zu reichlichem Konsum von Pasta, Brot und Hülsenfrüchten und der eingeschränkte Verzehr von Fetten und Fleisch den Ansprüchen einer ausgewogenen Ernährung vollkommen entspricht.

Die Nahrungsmittel haben einen eher niedrigen Kaloriengehalt und einen verhältnismäßig hohen Anteil an Pflanzenfasern (Gemüse, Obst und vor allem Hülsenfrüchte), womit ein Sättigungsgefühl erreicht wird, ohne daß die Kalorienzufuhr zu hoch ist und deshalb Fettleibigkeit entsteht.

Die italienische Pasta gibt ihre Nährstoffe nach und nach an den Körper ab (die Nährstoffe verwandeln sich in einfachere Kohlenhydrate) und sichert die Energiezufuhr so über einen längeren Zeitraum, während Nahrungsmittel auf Zuckerbasis im Gegensatz dazu ein vorübergehendes Ungleichgewicht der Glykämie bewirken.

Der Rückgriff auf aromatische Kräuter wie z. B. Rosmarin, Basilikum, Minze, Salbei, Petersilie, Knoblauch etc. und der vermehrte Gebrauch von Tomaten verleihen den Gerichten ein volles Aroma. Sie wirken sich positiv auf die Verdauung aus und ersetzen fettige Saucen als Würzmittel.

Der reichliche Konsum von frischem Gemüse und Obst sichern dem Organismus eine ausreichende Zufuhr an Vitaminen und Mineralsalzen.

Das Olivenöl hat seinen festen und sehr wichtigen Platz im Speiseplan der Italiener, worauf im entsprechenden Kapitel eingegangen wird. Olivenöl wird vorzugsweise verwendet und kann aufgrund seiner (übrigens sehr unterschiedlichen) organoleptischen Eigenschaften die Qualität der Speisen durchaus beeinflussen.

Dank seiner besonderen Dickflüssigkeit eignet sich das Olivenöl besser als andere Pflanzenöle zum Anmachen von Salaten und Gemüsen und ist zudem leichter zu dosieren. Außerdem wirkt sich der kontinuierliche Konsum von Olivenöl im Rahmen der Mittelmeerdiät sehr vorteilhaft auf den Verdauungsapparat und das Herz-Kreislaufsystem aus.

Auch dem Wein, der in den Mittelmeerländern gerne getrunken wird, spricht man gesundheitsfördernde Wirkung zu, allerdings sollte er in Maßen getrunken werden.

In den Mittelmeerländern herrscht ein warmes und mildes oder auch subtropisches Klima. Die Produkte pflanzlichen Ursprungs, die dort konsumiert werden, sind an der Sonne gereift und gedeihen oftmals ohne allzu viel Wasser. Dies verleiht ihnen hervorragende organoleptische Eigenschaften und einen vollen Geschmack, der nicht durch Zugabe von weiteren Würzmitteln verstärkt werden muß.

Eine Ernährung nach mediterranem Vorbild wird heute immer mehr empfohlen, um einseitige Eßgewohnheiten, wie sie in den Wohlstandsgesellschaften immer häufiger werden, entgegen zu wirken und Fettleibigkeit oder auch Herz- und Darmleiden zu vermeiden.

Darüber hinaus ist es mittlerweile allseits bekannt, daß das Ernährungsmodell aus dem Mittelmeerraum nicht nur die Lebenserwartung erhöht, sondern auch ein physisches Wohlgefühl vermittelt.

Die italienischen Eßgewohnheiten sind sehr stark von den bereits erwähnten äußeren Faktoren beeinflußt. Allerdings gehen diese auf eine ganz eigene Entwicklung zurück und zeichnen sich nicht nur durch die Reichhaltigkeit und Variabilität der Basisprodukte aus, die sich in anderen Ländern kaum finden lassen, sondern auch durch die Kreativität beim vielfältigen Einsatz dieser Produkte.

Aus diesen Gründen kann die italienische Küche, vor allem auch vom gastronomischen Standpunkt aus betrachtet, als höchster Ausdruck der Mittelmeerdiät bezeichnet werden.